Hallo schon wieder
Da es bereits jetzt wieder einiges zu berichten gibt, melden wir uns schon wieder, wir hoffen ihr habt nichts dagegen… 
Am letzten Donnerstag gingen also mit Keith und Carol zu besagtem Rugby-Spiel in Wanganui (eine Autostunde südlich von Raetihi). Es war ein Spiel Wellington gegen Wanganui, wobei von vornherein klar was, dass Wellington gewinnen würde, da sie in einer höheren Liga spielen. In diesem Spiel wurde jedoch um ein Schild gekämpft, das zurzeit im Besitz des Wellington-Teams ist und extra mit dem Helikopter eingeflogen wurde. Für Wanganui war dies eine einmalige Gelegenheit und deshalb eine grosse Ehre, obwohl sie keinerlei Chancen hatten. Doch obwohl das Spiel ziemlich einseitig war, war es dennoch ein spannendes Erlebnis, und wir fanden’s viel interessanter als Fussball, mit all den wehleidigen Spielern… :)
Der nächste Tag sollte gemäss Wettervorhersage sonnig werden, also planten wir einen frühen Start in den Tag um direkt zum Skiverleih und dann auf die Piste zu gehen. Die Wetterfrösche behielten Recht, und als wir um 6.30 Uhr aus dem Fenster blickten erwartete uns zwar ein frostiger, aber herrlicher Morgen. Schnell holten wir in Ohakune Skis, ein Snowboard, Schuhe, Helme, Brillen und alles was dazugehört (wobei wir von Keith und Carol bereits Skihosen und Handschuhe ausleihen konnten) und fuhren hinauf zum Skigebiet. Die Sonne schien und es versprach ein perfekter Skitag zu werden. Vom Mt. Ruapehu aus hatten wir eine gewaltige Aussicht bis zu den Alpen auf der Südinsel und zum Mt. Taranaki an der Westküste Neuseelands. Es war schlicht atemberaubend. Die Skipisten sind zwar kürzer und schlechter beschriftet als in der Schweiz, doch genossen wir unsere Zeit im Schnee trotzdem. Am Ende des Tages mussten wir uns auch eingestehen, dass Schweizer auf der Piste definitiv eine bessere Figur machen als die Kiwis. Überall lagen sie im Schnee und suchten ihre Skis zusammen, was grosse Achtsam- und Geschicklichkeit unsererseits erforderte.
Heute ist also Samstag und wir gingen am Nachmittag mit Keith mit zur Arbeit. Falls ihr es bereits wieder vergessen habt, er ist Schaf-Farmer (mit 2-4000 Schafen je nach Saison), und hat ausserdem noch einige Kühe (200-400). Auf dem Plan standen einige ausgebüchste Schafe dem Nachbarsbauern zurückzubringen und ein Lamm zu töten, um es am Montag zu kochen und einen Teil einzufrieren. Ja, wir wohnten also einer Schlachtung bei. Es mag sich komisch anhören, doch es war mehr interessant als abscheulich. Wer jedoch einen schwachen Magen sollte besser nicht weiterlesen…
Wenn Keith ein Schaf für sich selbst tötet, tut er dies indem er ihm den Hals durchschneidet und ihm dabei auch gleich das Genick bricht. Dies geschieht alles in Sekunden, damit das Schaf nicht gestresst wird, was das Fleisch schlechter machen würde. Er stand also in einen Zwinger mit etwa 6 Schafen, griff sich eines davon, wir öffneten das Tor und liessen die anderen 5 Schafe raus, und sobald wir das Tor wieder geschlossen hatten, durchtrennte er dem Schaf mit dem Messer die Halsschlagader und das Genick, so dass es gar nicht merkte was geschah. Nachdem es ausgeblutet und die Nerv- und Muskelzuckungen vorüber waren (was vermutlich der schlimmste Teil war zum mit ansehen), begann er alle vier Füsse abzutrennen, die er für die Hunde kochen wird. Die Hinterbeine schnitt er unter dem Gelenk ab, sodass er das Schaf am Gelenk aufhängen konnte. Bevor er das Schaf jedoch aufhängte knotete er die Speiseröhren zu, damit der Mageninhalt nicht raus konnte. Er häutete es danach geschickt von Hand. Dann schnitt er dem Lamm den ganzen Kopf ab, wobei der Knopf an der Speiseröhre leider wieder aufging und das Schaf „kotzte“. Wir dachten der Gestank wäre stärker, doch es war nicht allzu schlimm. Nach dieser Misere begann er das Schaf bei der Brust aufzuschneiden um die Eingeweide zu entfernen, die er grösstenteils ebenfalls für die Hunde kochen wird. Er zeigte uns die Leber mit der Gallenblase, die Lungen, das Herz und was noch so alles herauskam. Keith hängte das Schaf daraufhin in einen abgeschlossenen Raum, wo es bis morgen bleiben wird. Diese „Pause“ lässt das Fleisch altern und macht es noch besser.
Es war wirklich ziemlich interessant dies hautnah mitzuerleben und wir werden nicht zu Vegetariern deswegen. :) Wir freuen uns also auf ein feines Neuseeländisches Lammessen am Montag…
Weitere Pläne für die restlichten Tage (sind ja nur noch 6 in Neuseeland) haben wir noch nicht, doch hoffen wir noch einen schönen Tag zum Skifahren zu ergattern.
Grüsse aus dem frostigen Neuseeland,
Nadine & Philippe